Geburtsdatum
02.10.1982
Wohnort
Horw
Hobbys
Motorradfahren, Fitness, Literatur
Stärken
Kommunikativ, offen, teamfähig, ehrlich
Schwächen
Perfektionismus, schwierig nein sagen
Social
Vom Versicherungsberater zum Charakterdarsteller: Claudio Troy sucht nicht den Ruhm – sondern die Wahrheit
Jahrelang sass er am Schreibtisch, beriet Kunden zu Prämien, Policen und Pensionskassen. Heute steht Claudio Troy (Jg. 1982) als Obdachloser vor der Kamera, spricht Englisch für eine Serie – obwohl er die Sprache erst für die Rolle auswendig lernen musste – und spürt zum ersten Mal: „Hier sehe ich mich wirklich.“
Aufgewachsen in Aarburg (AG), lebt Claudio heute in Horw bei Luzern. Seine Karriere schien eigentlich vorgezeichnet: Lehre, Versicherung, Aufstieg. Er arbeitete bei mehreren grossen Gesellschaften, insgesamt 23 Jahre in der Versicherungsbranche. Doch je erfolgreicher er wurde, desto leerer fühlte es sich an. „Es wurde toxisch“, sagt er. „Man wollte immer mehr Umsatz – egal, wie es den Menschen wirklich geht.“ Der Wendepunkt kam mit dem Film. Erst kleinere Einsätze, Statist, Nebenrollen. Dann ein Anruf: Ein Kollege fällt aus, eine Rolle als gewalttätiger Obdachloser in einem Schweizer Kinofilm wird frei. Claudio sagt spontan zu, verlässt mitten am Arbeitstag seine Versicherungsrunde – und liefert ab. „Sie sagten mir: du bist der Böse in der Szene. Und ich habe gemerkt: ich kann meine Wut, meine Trauer, meine eigene Geschichte da reinlegen.“
Auch privat ist sein Weg alles andere als geradlinig. Die Eltern trennten sich, als er zehn war. Zwei Brüder starben, bevor er geboren wurde. Ein jüngerer Bruder kämpft heute mit massiven Nierenproblemen und Dialyse, Claudio selbst bekam bei einer Notfalluntersuchung die Diagnose Sarcoidose an der Lunge – seither kann er kein Spender mehr sein. „Das tut weh“, sagt er. „Du willst helfen – und kannst nicht. Das erdet dich brutal.“
Im Juni hat er schliesslich den Schritt gewagt: raus aus der Versicherung, hin zur Schauspielerei. Nebenjobs sichern das Einkommen, Ersparnisse überbrücken den Rest. Reich machen soll ihn das nicht. „Ich brauche keine Millionen. Wenn ich in Rom eine Rolle für 2’000 Euro hätte, ruhig leben könnte und Menschen mit meinen Figuren berühre – dann wäre mein Traum erfüllt.“ Claudio spendet immer wieder einen Teil seiner Gagen – einmal sogar das ganze Honorar einer TV-Produktion. Für ihn ist klar: „Geld ist nicht alles. Ich suche Ruhe, Ehrlichkeit – und Rollen, in denen ich echte Emotionen zeigen darf.“
Der Swiss Men’s Award ist für ihn kein Schönheitswettbewerb, sondern eine Chance, einen anderen Typ Mann sichtbar zu machen: verletzlich, spirituell, reflektiert. „Ich glaube an Gott, auf meine Art. Ich danke ihm, dass ich noch hier bin. Und wenn ich mit meiner Geschichte einen Menschen berühren kann, hat sich alles gelohnt.“